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Kapitel 28 und 29

Yoga der Erkenntnis – Jnana Yoga

Krishna sprach:

‚Nie lobe oder kritisiere ein Wesen. Wer lobt und kritisiert verstrickt sich in die Dualität der Gegensätze.

So wie die verkörperte Seele im Schlaf das Bewusstsein nach außen verliert, so verliert der an Materie anhaftende Mensch das Bewusstsein zum Höchsten.

Spiegelung, Schatten und Echo sind nur illusionäre Erscheinungen des Wirklichen. Ebenso ist die Erscheinungswelt nur eine illusionäre Erscheinung Meiner.

Wer das was Ich bisher gesprochen habe verstanden und verinnerlicht hat, der wird sich nicht in materielle Wertung verstricken.

Direkte Wahrnehmung, logisches Hinterfragen, studieren der Schriften und persönliche Erkenntnis lassen klar werden, dass diese Welt einen Anfang und ein Ende hat. Somit ist sie nicht wirklich, deshalb lebe man ohne Anhaftung in ihr.

Solange die verkörperte Seele sich mit dem physischen Körper und den Sinnen identifiziert lebt er, doch ist dieses Leben sinnlos.

Das Lebewesen überlagert seine transzendente Natur mit der physischen. Es befindet sich in einem Traumzustand, der es ins Leid führt.

Während des Traumes erleben wir unangenehme Situationen, wenn wir erwachen erkennen wir, dass es nur ein Traum war.

Wehklagen, Angst, Ärger, Gier, Konfusion, Jubel, Leidenschaft, Geburt und Tod sind Erfahrungen des verblendeten Egos, nicht der klaren Seele.

Das Lebewesen, das sich fälschlicherweise mit Körper und Sinnesobjekten identifiziert verliert sich in der Illusion der Erscheinungswelt.

Das Ego erscheint mannigfaltig – in Geist, Sprache und Körper. Mit dem Schwert des transzendenten Wissens, geschärft von einem spirituellen Lehrer, trennt der Weise die falsche Identifikation und lebt frei von Anhaftung in dieser Welt.

Wahres spirituelles Wissen basiert auf Unterscheidung von Geist und Materie. Es wird erlangt durch Studium der Schriften, Askese, Folgerung und Erkenntnis. Die absolute Wahrheit bestand bereits vor Beginn der Schöpfung und wird nach deren Auflösung weiterhin bestehen.

Gold besteht bereits bevor ein Ring daraus gemacht wurde. Und das Gold wird weiter bestehen, wenn der Ring kaputt gemacht wird. Deshalb ist das Gold wirklich, der Ring unwirklich. Ebenso bestehe Ich vor Beginn der Schöpfung, während der Schöpfung und nach der Auflösung der Schöpfung.

Der Geist kennt drei Phasen des Bewusstseins, Wachen, Schlafen, Tiefschlaf, die mit den drei Grundeigenschaften der Schöpfung einhergehen.

Der Geist kennt drei Rollen, er ist der Erkennende, das Erkennen und das zu Erkennende.

Darüber hinaus gibt es einen vierten Bereich, jenseits dieser drei, und dieser nennt sich absolute Wahrheit.

Das was in der Vergangenheit nicht existiert hat und in der Zukunft nicht existieren wird, das hat auch keine Existenz in der Gegenwart. Es ist lediglich eine vorübergehende Erscheinung. Ebenso ist es mit dem vergänglichen physischen Körper, er ist nicht das ewige Selbst.

Wer Mich als den höchsten Herrn erkannt hat, der richte seinen Geist allein auf Mich und lasse die Gedanken an Materie vorüberziehen. So wie die Sonne die Wolken vorbeiziehen lässt, ohne von ihnen tangiert zu werden.

Manchmal mag dich die Anhaftung an Familie und Freunde übermannen. So noch nicht perfekt wirst du im nächsten Leben dich wieder dem Yoga widmen und nicht mehr in diese Falle treten.

Der normale Mensch handelt bis zum Tod mit dem Wunsch nach materiellen Früchten. Der Weise gibt diese Form des Handelns auf.

Der Weise nimmt nicht einmal seinen Körper wahr, ob er steht, liegt, sitzt, geht, sein Geist ist allein auf Mich gerichtet.

Auch der Weise nimmt hin und wieder ein Objekt wahr, doch er erkennt es sofort als nicht wirklich, als Illusion der Dualität.

Die Dualität erscheint in Name und Form. Wer sie als wirklich erachtet erliegt der Illusion der Erscheinungswelt.

So der Yogi, noch nicht fest in der Praxis verwurzelt, von Störungen heimgesucht wird, möge er wie folgt vorgehen.

Manche Störungen lassen sich durch tiefe Meditation und Atemkontrolle überwinden. Andere durch Askese, Mantren oder Kräuter.

Zum Erliegen können sie gebracht werden durch stetiges Denken an Mich, durch das Hören und Singen Meines heiligen Namens und durch Nachfolgen großer Meister des Yogas.

Durch verschiedene Methoden halten einige Yogis ihren Körper frei von Krankheit und Verfall. Sie praktizieren den Yoga zu dem Zweck, okkulte Kräfte zu erlangen.

Die okkulte Ausrichtung ist nicht von Wert für die, die nach transzendentem Wissen suchen. Die Seele, wie der Baum, ist ewig, der Körper, wie die Frucht des Baumes, ist vergänglich.

Auch wenn der physische Körper durch Yoga gestärkt werden kann, so sieht der nach Mir Suchende keine Notwendigkeit, diesen Körper durch Yoga zu perfektionieren und gibt diese Methoden auf.

Der Yogi, der in Mir seine Ruhe gefunden hat ist frei von Verlangen, denn er labt sich an der Freude seines eigenen Selbstes. Kein Hindernis wird ihn je aus der Bahn werfen.‘

Yoga der Hingabe – Bhakti Yoga

Uddhava sprach:

‚Der Yoga den Du hier beschrieben hast ist sehr schwierig für den, der seinen Geist nicht unter Kontrolle hat. Gibt es keinen leichteren Weg?‘

Krishna sprach:

‚Lasse Mich über die Hingabe sprechen, durch die der Sterbliche den Tod überwinden kann.

Denke stets an Mich, weihe alle deine Taten Mir, begib dich an Mir heilige Orte und suche die Gemeinschaft mit meinen Bhaktas. Mit Gesang und Tanz feiere die Mir heiligen Tage und verehre Mich.

Mit reinem Herzen sieh Mich, die höchste Seele, in allen Wesen weilend und wende dich ab von materiellen und sinnlichen Begehren.

Mich in allen Wesen erkennend ist dem Weisen jedes Wesen gleich, der Brahmane und der Shudra, der Dieb und der König, der Gütige und der Zornige. Sei jedem wohl gesonnen, dem Kastenlosen, dem Hund und der Kuh.

Bis man dieses Stadium erreicht hat gilt es, Mich stets in allen Wesen zu sehen und Meiner in Gedanken, Worten und Taten zu gedenken.

Durch das transzendente Wissen um den alles durchdringenden Herrn ist man in der Lage die absolute Wahrheit in allem zu erkennen. Frei von Zweifel gibt man wunschgebundenes Handeln auf.

Wahrlich, Ich erachte den Prozess, durch Gedanken, Worte, Taten Mich in allen Wesen zu erkennen, als den besten zum Erlangen spiritueller Vollkommenheit.

Mein lieber Uddhava, da Ich selbst den Weg der Hingabe verkünde wird kein Wesen jemals leiden, das ihn begeht.

Weise, Heilige und normale Menschen wehklagen und zittern in gefährlichen Situationen, auch wenn dies nutzlos ist und an ihrer Lage nichts ändert. Sie zeigen damit, dass ihr Vertrauen in Mich nicht gefestigt ist.

Nun habe Ich dir das Wissen über die absolute Wahrheit verkündet, das selbst für Götter schwer zu erfassen ist. Wer es verinnerlicht, der wird frei von Zweifel und erlangt Befreiung.

Wer seinen Geist auf das von Mir hier Gesprochene richtet, der erlangt das Ziel der Veden, die höchste Wahrheit.

Wer dieses höchste Wissen verkündet, der wird zur Lampe in der Dunkelheit, offenbart er doch Mich den anderen.

Wer dieses höchste Wissen hört, der wird nie der Materie oder den Sinnen anheimfallen.

Mein lieber Freund, Uddhava, hast du das alles verstanden? Haben sich die Unklarheiten in deinem Geist aufgelöst?

Teile das Wissen nicht mit Heuchlern, Atheisten und Unehrlichen, nicht mit denen, die nicht mit Hingabe zuhören und nicht mit denen, die keine Demut kennen.

Dieses Wissen ist für die Tugendhaften, für die, die sich um das Wohlergehen der Brahmanen kümmern und für die Aufrichtigen, Frommen und Unverfälschten.

Wer dieses Wissen verstanden hat, für den gibt es nichts Weiteres zu verstehen. Wer den Nektar gekostet hat kann nicht mehr durstig sein.

Die Menschen versuchen, durch analytisches Wissen, durch Riten, Mystik, Yoga und Arbeit zum Ziel zu gelangen. Doch lasse Mich dir sagen, alles was der Mensch in diese Richtung unternimmt ist fruchtlos, solange er sich nicht Mir hingibt.

Wer alle seine Handlungen und sich selbst Mir allein weiht, der erlangt Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod. Der geht ein in Meine Fülle.‘

Diese Worte Krishnas gehört habend legte Uddhava die Handflächen zum Gebet zusammen, doch die Stimme versagte, er brachte kein Wort heraus. Tränen entströmten seinen Augen.

Schließlich sprach Uddhava:

‚Oh höchster Herr, die Illusion ist mir genommen durch Deine gnadenvollen Worte, die wie das Licht der Fackel mich erhellten. Wie können Kälte und Dunkelheit dem etwas anhaben, der in die Sonne eingegangen ist?

Das Seil mit dem ich an die Erscheinungswelt, an Freunde und Familie gebunden war hast Du mit dem Schwert des transzendenten Wissens gekappt. Ehre sei Dir!

Bitte sage mir, wo und wie ich, der Dir Hingegebene, zu Deinen Lotusfüßen gelangen kann.‘

Krishna sprach:

‚Mein lieber Uddhava, gehe nach Badrinath und bade in den heiligen Wassern des Alkananda Flusses, der Meinen Lotusfüßen entsprang.

Kleide dich in Rinde und iss was der Wald dir schenkt. Meditiere ohne Unterlass auf das was Ich dich gelehrt habe und verinnerliche die Essenz. Denke stets an Mich, überwinde die drei Gunas und kehre schließlich dahin zurück wo die Seele zu Hause ist, zu Mir.‘

Uddhava umrundete den Herrn und warf sich zu Boden. Er legte sein Haupt auf die Füße des Herrn und benetzte sie mit seinen Tränen. Obwohl er die Dualität durchschaut hatte brach sein Herz beim Gedanken an den Abschied.

Wieder und wieder verneigte er sich. Schließlich nahm er Abschied und zog sich in die Berge des Himalayas, nach Badrinath, zurück. Nach langen Jahren der Askese und Meditation ging er ein in das Reich des Herrn, das ihm von seinem Freund Krishna beschrieben worden war.

Ebenso ergeht es jedem im Universum, der mit Hingabe und Vertrauen den nektargleichen Worten Krishnas lauscht.