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Sein Tod

Dies ist die Geschichte von Jara, dem Jäger, der Krishna tötete.

 

Dwaraka war zerstört, der Familien Clan Krishnas, die Yadavas, waren tot. Krishna und Sein Bruder Balarama waren die einzigen Überlebenden.

Balarama sah den Kampf kommen, er ging an die Ufer des Ozeans und vertiefte sich in Meditation. Ihm war bewusst, dass seine Zeit gekommen war und er verließ seinen Körper. Balarama ging ein in Adishesha, die tausendköpfige Schlange, auf der Vishnu in Seinem Reich, in Vaikuntha, ruht.

Krishna stand vor den Trümmern der Stadt, allein, keine Freunde waren mehr da, niemand mit dem Er hätte sprechen können. Als er an einem Busch vorbei kam legte Er sich nieder.

Krishna lächelte, Er wusste, bald würde Jara kommen, es war die Zeit, um eine alte Rechnung zu begleichen.

Ein Affe war von einem Prinzen getötet worden. Der Prinz war dunkel, ein bisschen blau. Der Prinz hatte sich hinter einem Baum versteckt und traf den Affen mit seinem Pfeil. Der Affe kämpfte nicht mit dem Prinzen, er kämpfte mit irgendjemandem anderen, mit einem anderen Affen.

Jara war für einen Augenblick orientierungslos, wo war er? Langsam kam alles zurück, der Traum war so lebendig, so klar, als wäre er wahr gewesen. Jara verstand nicht was der Traum bedeutete, doch er träumte ihn öfter.

Jara stand auf, er war hungrig, er musste zum Jagen gehen. Schnell war er gerüstet, nahm Pfeil und Bogen. Seine Augen fielen auf seinen Lieblingspfeil. Er lächelte, noch nie hatte dieser Pfeil sein Ziel verfehlt. Es war ein ganz besonderer Pfeil.

Jara hatte den Pfeil nicht selbst hergestellt, er hatte ihn gefunden. Vor einiger Zeit schnitt er einen Fisch auf und fand darin ein Metallstück. Er sah, es war geeignet für eine Pfeilspitze. Bis heute hatte der Pfeil ihn nicht im Stich gelassen.

Jara strich durch den Wald, Pfeil und Bogen bereit, stundenlang war er unterwegs, doch hatte er noch nichts zu essen. Er ging weiter.

Da! Hinter dem Busch … da hatte sich etwas bewegt. Er wartete noch ein wenig, Jara wusste, hinter solch einem niederen Busch konnte sich nur ein Tier verstecken. Er musste es treffen oder hungrig nach Hause gehen. Er nahm seinen Lieblingspfeil, spannte den Bogen, zielte und schoss. Da hörte er einen Menschen schreien. Er rannte zu der Stelle hin, woher der Schrei kam. Er hatte einen Mann getroffen, der sich vor Schmerz wandte.

Jara sah ihm an, dass er von königlicher Geburt war, ein König, seine Farbe dunkel, ja, blau.

Für einen Moment erinnerte er sich an seinen Traum. Der Mann vor ihm hatte dieselbe Farbe wie der Mann in seinem Traum. Jara war von Sinnen, sein Herz raste, plötzlich erkannte er, wen er getötet hatte. Er weinte, fiel zu Boden und hob den toten Körper des Herrn auf: ‚Mein Herr, mein Herr, Krishna! Was habe ich getan? Das kann ich mir nie verzeihen.‘

Krishna schaute in das tränenüberströmte Gesicht Jaras und sprach traurig: ‚Es gibt nichts zu verzeihen, mein Freund, nun sind wir quitt. Wir alle sind an unser Karma gebunden, so will es das Gesetz des Universums.

‚Karma? Welches Karma?‘ Jara schaute verwundert, der Herr musste im Delirium sprechen. Doch Krishna erklärte ihm in aller Ruhe: ‚Erinnere dich, wer du bist, mein Freund. Keiner von uns hat stets denselben Körper. Wir beiden sind unter vielen Namen unterwegs gewesen, so haben wir uns einst schon mal getroffen…‘

Jara schüttelte den Kopf: ‚Nein, nein, das ist unmöglich!‘ Doch dann … Krishna … der dunkle Prinz, der Affe, alle die Gestalten erschienen wieder in Jaras Kopf.

‚Rama!‘ sprach Jara leise.

Krishna nickte: Ja, mein Freund. Du warst Vali, der Affenkönig. Als Rama tötete Ich dich beim Kampf mit Sugriva. Ich habe dich aus dem Hinterhalt getötet, Ich hatte keinen Grund, hatte Ich doch keine Feindschaft mit dir. Ich tat was Ich damals als richtig empfand … deshalb sind wir nun quitt.‘

Für einen Moment dachte Jara, ein schelmisches Lächeln in Krishnas Antlitz zu erkennen, doch dann sah er es schmerzverzerrt.

Krishnas letzte Worte waren: ‚Du wirst Befreiung erlangen für das was du getan hast, lebe in Frieden nun.‘

Jara erinnerte sich seines früheren Lebens mit einer Klarheit, doch konnte es seinen Schmerz nicht leichter machen. Was ich getan habe war nicht recht. Er schaute auf den sterbenden Herrn. Krishna lächelte müde: ‚Entferne den Pfeil und verlasse diesen Ort und begebe dich in Askese. Wir werden uns unter schöneren Umstanden wieder treffen. Geh nun.‘

Jara zog den Pfeil aus Krishnas Körper, die Wunde blutete stark. Krishna schaute auf die Pfeilspitze und sprach: ‚Nun ist es vorbei.‘

Jara rannte weg, er rannte … rannte … so weit wie nur möglich.

Da vernahm er eine Stimme in sich: ‚Wir sind alle an unser Karma gebunden, seien wir Gott oder Mensch. Ich habe dich getötet, nun hat sich der Kreis geschlossen, da du der Grund bist, dass Ich die Welt verlassen muss. Gräme dich nicht. Du hast nur deine Rolle gespielt.‘

Jara wusste, dass Krishna zu ihm sprach. Er fühlte sich ein wenig erleichtert. Er wird den dunklen Herrn an einem anderen Ort, in einer anderen Existenz wieder treffen. Daran hatte Jara keinen Zweifel. Mit diesen Gedanken begann er seine Askese.

 

Eine weitere Geschichte dazu finden Sie unter ‚Mythen > der Schutz-Pudding‘

 

Ich bedanke mich bei S. A. Krishnan für die Überlassung ihrer englischen Version.