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Die Kuh

Die Kuh ist dem Hindu heilig.

In der Kuh weilen die Götter persönlich. Die Erde nimmt die Gestalt der Kuh an, wenn sie sich an die Götter wendet. Auch in den indogermanischen Mythen ist die Kuh eine Lebensspenderin, eine Göttin.

Die fünf Gaben der Kuh, Panchagavya, reinigen und läutern, es sind dies Milch, Butter, Joghurt, Dung und Urin.

Was bei uns der Goldesel, ist in Indien die wunscherfüllende Kuh, Kamadhenu. Sie trat bei der Manifestation der Schöpfung zutage und wurde sofort von Indra, dem König der Götter, beansprucht.

Nachfolgend eine Geschichte zur Kuh und drei Geschichten zur Kamadhenu aus den Mythen.

Namadeva

Namadeva war ein Krishna hingegebener Heiliger. Eines Tages wollte der König ihn prüfen. Er ordnete an, dass an den Ort, an dem Namadeva seine Schüler unterrichtete, eine tote Kuh hingelegt werden sollte. Als Namadeva die Kuh sah war er voll des Mitleids und versprach, sie werde in ein paar Tagen wieder lebendig sein. Der König wartete gespannt.

Namadeva betete zu Krishna, sang Seinen Namen und bat, die Kuh bald zum Leben zu erwecken. Am vierten Tag war die Kuh wieder lebendig. Der König verlor seinen Stolz und begann ebenfalls zu Krishna zu beten.

Doch stellte er Namadeva die Frage, warum der Herr vier Tage gebraucht habe, um die Kuh wieder zu erwecken. Namadeva erklärte ihm: ‘Ich habe den Herrn darum gebeten, die Kuh bald wieder ins Leben zu holen. Hätte ich Ihn gebeten, sie sofort wieder zu erwecken, hätte Er es sofort getan. Der Herr tut stets das, was Seine Anhänger im Gebet wünschen.’

Die Vasus

Einst besuchten die acht Vasus, zusammen mit ihren Frauen, Vasishtha. Eine der Frauen fand Gefallen an Nandini. Sie bat ihren Mann Prabhasa sie zu stehlen. Zusammen mit seinen Brüdern stahl er die Kuh und wurde umgehend von Vasishtha verflucht, als Menschen geboren zu werden. Die Vasus baten Vasishtha, den Fluch abzumildern. Vasishta legte nun fest, dass die sieben, die nur halfen, gleich, nachdem sie als Mensch geboren waren, wieder davon befreit würden. Für Prabhasa blieb der Fluch bestehen. Sie alle wurden König Shantanu und der Göttin Ganga, geboren.

Ganga hatte Shantanu unter der Bedingung geheiratet, dass er nichts was sie tue kritisieren dürfe, sonst würde sie ihn sofort verlassen. Shantanu versprach es. Ganga ertränkte jedes der sieben Kinder die ihnen geboren wurden sofort nach der Geburt. Als sie das achte ertränken wollte griff er ein. Ganga ließ das Kind am Leben, verließ jedoch Shantanu. Die acht Kinder waren die wiedergeborenen Vasus. Sieben wurden durch das Ertränken von ihrem Fluch sofort erlöst. Das achte, Devavrata, musste länger unter den Menschen leben. Die Geschichte zeigt auch auf, wie Karma sich erfüllt.

Vishvamitra

Vasishtha hatte eine Kuh mit Namen Nandini, die Tochter von Kamadhenu. Eines Tages kam Vishvamitra vorbei, sah die Kuh und dachte, sie sei ein feines Geschenk für den König. Er wollte Nandini Vasishtha abkaufen.

Doch Vasishtha sprach: ‚Diese Kuh das Kind von Kamadhenu, sie erfüllt meine täglichen Bedürfnisse, für nichts auf der Welt gebe ich sie her.‘ Vishvamitra erwiderte: ‚Wenn du sie mir nicht gibst, nehme ich sie mir.‘

Vishvamitras Begleiter nahmen die Kuh mit. Die Kuh weinte und rief nach Vasishtha, ihr zu helfen. Doch was sollte er tun. Die Kuh war in der Lage, sich selbst zu beschützen. Sie entließ aus sich zahllose Soldaten. Vishvamitra schickte seine tausend Söhne, sie wurden von Nandini zu Asche verbrannt und sie lebte wieder bei Vasishtha.

König Dilipa

König Dilip war kinderlos, er fragte Vasishtha nach dem Grund. Vasishtha erklärte ihm, dass er einst an Kamadhenu vorbei gegangen sei, ohne sie zu grüßen, deshalb sei er nicht mit Kindern gesegnet.

Würde er Kamadhenus Tochter, Nandini, 21 Tage lang dienen, würde er ein Kind erhalten.

Dilip diente der Kuh, doch am 21. Tag wurde sie von einem Löwen angegriffen. Dilip nahm sofort Pfeil und Bogen und versuchte, den Löwen zu töten. Doch sein Arm war wie gelähmt, er konnte ihn nicht bewegen. Der Löwe musste göttliche Kräfte besitzen und um dies zu bestätigen sprach der Löwe zu ihm, dass er keine Möglichkeit habe, die Kuh zu retten, sie sei seine Mahlzeit und er solle zurück in Vasishthas Ashram gehen.

Dilip fragte den Löwen, ob er Nandini verschone, wenn er sich als Opfer zur Verfügung stellen würde. Der Löwe stimmte zu und entschwand. Er wollte Dilip nur prüfen. Da er selbstlos gehandelt hatte gewährte ihm Nandini einen Sohn, Baghirati. Er war es, der die Ganga auf die Erde brachte.

 

Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgte mit freundlicher Genehmigung von
Sushma Gupta, Toronto

 

Gebet an Mutter Kuh

Kamadhenu ist die himmlische wunscherfüllende Kuh. Dieses Gebet sprach Indra an Kamadhenu. Inzwischen ist es ein allgemeines Gebet der Hindus an die Kuh.

 

Ich grüße die Mutter der Welt, die als Same in allen Kühen lebt.

Ich grüße diese Göttin,

Sie ist die größte Göttin,

Sie ist die wunscherfüllende Kuh.

Ich grüße die Kuh von Radha,

Ich grüße die Essenz des Lotus,

Ich grüße den Liebling von Krishna,

Ich grüße die Mutter aller Kühe.

Ich grüße, sie, die Milchspenderin.

Sie gibt Reichtum und Verstand.

Sie hat die Gestalt des wunscherfüllenden Baumes.

Sie ist die Herrlichste.

Ich grüße sie, die nur Gutes gibt.

die uns beschützt und uns Kühe schenkt.

Ich grüße sie, die uns mit dem Dharma segnet

und uns Ruhm und Sieg gewährt.

Als sie, die das Böse vernichtet,

dieses Gebet des Königs der Götter hörte,

gewährte sie ihm alle Wünsche

und ging in das Reich der Kühe ein.

 

Eine Kuh Puja, ein Verehrungsritus für die Kuh

 

Die Übersetzung dieses Gebetes erfolgte mit freundlicher Genehmigung von
P. R. Ramachander, Bangalore