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Das Syamantaka Juwel

In Dwaraka lebte Satrajit, er war ein hingebungsvoller Verehrer Suryas, der Sonne. Eines Tages erschien Surya ihm.

Satrajit vergoss Tränen der Freude, als Surya ihm erklärte, dass seine bedingungslose Hingabe Ihn zu ihm gezogen habe und Er ihm das Syamantaka Juwel schenken wolle.

Satrajit fiel Surya zu Füßen, keines Wortes mehr fähig. Das Syamantaka Juwel strahlte wie Surya selbst, es gab nichts Wertvolleres im Universum.

Mit zitternden Händen nahm Satrajit das Juwel entgegen. Surya segnete ihn und entschwand.

Ganz Dwaraka sprach bald von dem reichen Satrajit. Er war schon immer freigiebig, doch jeder wusste, dass er arm war. Nun spendete er verschwenderisch. Die Menschen wurden neugierig und enge Freunde begannen ihn zu fragen, woher der plötzliche Reichtum denn käme.

Satrajit überlegte, sollte er die Wahrheit sagen? Er entschied sich dafür, niemand sollte ihn für einen Lügner halten.

‚Mein ist das Syamantaka Juwel,’ sprach er und zeigte es allen die es sehen wollten.

In kürzester Zeit hatte sich das Ereignis herumgesprochen … irgendwann erreichte es die Ohren Krishnas.

Krishna war tief beeindruckt … ein Mensch hatte das Juwel erhalten, nur aufgrund seiner Hingabe. Die Menschen werden neidisch werden, was, wenn sie es ihm rauben. Krishna beschloss, Satrajit aufzusuchen.

Satrajit konnte es nicht fassen, nun kam auch noch der König von Dwaraka zu ihm. Nervös hieß er Ihn willkommen und brachte Wasser und Früchte.

Krishna sprach: ‘Danke für deine Gastfreundschaft. Ich muss etwas mit dir besprechen. Ich weiß, dass du im Besitz des Syamantaka Juwels bist. Das birgt eine gewisse Gefahr in sich. Es kann dir gestohlen werden. Du kannst das Juwel nicht in deinem Haus liegen lassen, gib es Mir mit, in Meinem Palast ist es sicher.’

Satrajit kochte. Krishna war gekommen, um ihm das Juwel wegzunehmen. Ärgerlich schüttelte er den Kopf: ‘Das Juwel hat mir Surya geschenkt. Es ist meines. Nie würde ich es weggeben.’

Krishna wurde ungehalten: ‘Satrajit, die Goldmünzen, die aus dem Juwel kommen kannst du ja behalten.’

Satrajit war auf der Hut … Krishna wollte ihm das Juwel wegnehmen und ihn mit ein paar Goldmünzen zufriedenstellen. Nochmals schüttelte er mit allem Nachdruck den Kopf.

Krishna gab nicht auf: ‘Satrajit! Ich weiß, du hast das Geld für wohltätige Zwecke gegeben, doch bedenke, Ich als König kann viel besser überschauen, wer es wirklich nötig hat.’

Satrajit stand auf: ‘Krishna! Du bist der König. Doch das Juwel gehört mir. Ich gebe es niemandem. Es bleibt in meinem Haus.’

Krishna erkannte, dass Satrajit nicht weiter mit sich würde reden lassen: ‘Gut Satrajit. Wie du meinst. Passe auf dich auf … und auf das Juwel.’

Krishna verließ Satrajit.

Die Menschen hatten sehr wohl bemerkt, dass Krishna lange bei Satrajit war und verärgert aus seinem Haus kam. Normalerweise ließ Krishna die Menschen in Seinen Palast kommen.

Wieder befragten Satrajits Freunde ihn neugierig: ‘Was wollte Krishna von dir?’

Satrajit hatte sich noch nicht beruhigt: ‘Er wollte mein Syamantaka Juwel.’

Das war eine Überraschung. Krishna kümmerte sich um sein Volk wie ein Vater. Noch nie hatte Er jemandem etwas genommen.

Satrajit fuhr fort: ‘Er meinte, das Juwel sei in meinem Haus nicht sicher. Aber ich ging Ihm nicht auf den Leim. Er wollte es mir nur wegnehmen.’

Nun waren Zweifel in den Menschen gesät … Krishna handelte richtig, meinten die einen. Andere meinten, dass Krishna Satrajit das Juwel nicht nehmen dürfe.

Irgendwann war die Sensation vergessen und sie gingen wieder ihrem gewohnten Alltag nach.

Prasenan war Satrajits Bruder, der ihn eines Tages, mit Pfeil und Bogen in Händen, aufsuchte.

Satrajit fragte seinen Bruder: ‘Gehst du auf die Jagd?’

Prasenan nickte. Satrajit wünschte ihm viel Erfolg.

Prasenan bat ihn um einen Gefallen: ‘Ich habe mir überlegt, dass ich sicherer wäre, wenn ich das Syamantaka Juwel mit mir nehmen würde. Du kennst die Gefahren des Waldes.’

Satrajit fehlten die Worte. Das Syamantaka Juwel war zu wertvoll … er hatte es Krishna nicht gegeben … nun bat Prasenan darum … er war sein Bruder. Er würde bestimmt gut darauf aufpassen und es war ja nur für ein paar Tage.

Satrajits Gutmütigkeit gewann, er holte das Juwel und gab es seinem Bruder, mit der eindringlichen Bitte, gut darauf aufzupassen.

Glücklich steckte Prasenan es in seine Tasche und ging auf die Jagd.

Die Jagd war spannend. Prasenan war im Jagdfieber, setzte sich von den anderen ab und ritt immer tiefer in den Wald hinein.

Er wurde von einem Löwen angefallen und getötet.

Die Jagdgesellschaft war zurück, doch Prasenan war nirgends zu finden. Auch nicht bei seinem Bruder. Satrajit machte sich große Sorgen.

Satrajit kamen die schlimmsten Gedanken. Er hatte Krishna das Syamantaka Juwel nicht gegeben. Sicher hat Er seinem Bruder aufgelauert und es ihm gestohlen. Satrajit erinnerte sich noch gut wie verärgert Krishna war, als Er ihn verließ.

Eines Tages war Krishna in der Stadt unterwegs, als die Kinder vor Ihm wegrannten und riefen: ‘Dieb! Dieb! Lauft schnell weg, er tötet auch uns.’

Krishna war entsetzt. Er hielt eines der Kinder am Arm fest. Es schrie: ‘Tu mir nichts! Lass mich los! Ich habe nichts Wertvolles bei mir!’

Krishna fragte: ‘Was sollte Ich dir antun?’

Aus dem Kind brach es heraus: ‘Satrajit sagt, Du hast Prasenan getötet und ihm das Syamantaka Juwel gestohlen, als er auf der Jagd war. Wir haben Angst vor Dir!’

Krishna ging zurück in Seinen Palast um nachzudenken. Sein eigenes Volk nannte Ihn einen Dieb und einen Mörder. Er ließ nochmals das Gespräch mit Satrajit Revue passieren und das was das Kind von sich gegeben hatte.

Krishna war klar, nur wenn Er das Juwel Satrajit zurückbrachte konnte die Beschuldigung aus dem Weg geräumt werden.

Mit ein paar Beratern ging Krishna in den Wald, um die Spur Prasenans zu suchen.

Sie fanden einen Toten, von einem Löwen getötet. Es war Prasenan.

Krishna folgte der Spur des Löwen … da lag ein toter Löwe vor Ihm.

Die Spuren ließen erkennen, dass ein Bär den Löwen getötet hatte. Krishna nahm sicherheitshalber Seine Waffen in die Hand.

Die Bärenspur führte in eine Höhle. Krishna ging hinein. Die Wände zierten Bilder aus dem Ramayana. Nun war Krishna klar, welcher Bär den Löwen getötet hatte.

Ein Brüllen ertönte … Krishna lächelt … Er kannte das Brüllen … Seine Ahnung hatte sich bewahrheitet.

Er lief weiter in die Höhe hinein, als Er niedergeschlagen wurde.

Krishna versuchte, Seine Stimme wiederzufinden, um dem Bären zu erklären, dass Er ein Freund sei. Doch der Bär schlug derart auf Ihn ein, dass Ihm klar wurde, dass Er gegen ihn kämpfen musste. Nach einem feurigen Kampf nahm Krishna den Bären und warf ihn an die Wand.

Stille … dann ein leises: ‘Wer bist Du?’

Krishna lächelte: ‘Ich habe viele Namen, König Jambavan! Einer davon ist Rama …‘

Ein Keuchen war zu hören, der Bär rannte auf Krishna zu, fiel Ihm zu Füßen und sprach unter Tränen: Rama! Du bist Rama! Es tut mir leid. Wie sollte ich das wissen.’

(Jambavan, ist der König der Bären, der im Ramayana Rama half, Sita aus der Gefangenschaft Ravanas zu befreien. Krishna, Rama und Vishnu sind eins.)

Krishna umarmte Jambavan und Jambavan stellte Ihm seine Familie vor. Da sah Krishna Jambavans Sohn mit dem Syamantaka Juwel spielen.

Krishna erklärte Jambavan: ‘Ich hieß damals Rama … nun heiße Ich Krishna. Und ich kam aus einem ganz bestimmten Grund. Ich suche das Syamantaka Juwel, es wurde dem Bruder eines meiner Untertanen gestohlen. Er glaubt nun, Ich habe es an Mich genommen und seinen Bruder getötet.’

Jambavan fragte verwirrt: ‘Wie kann man so etwas von Dir denken?’

Krishna erklärte: ‚Die Umstände ließen diese Vermutung zu. Nun muss Ich einfach das Juwel zurückbringen.‘

Jambavan rief seinen Sohn, nahm das Syamantaka Juwel und gab es Krishna: ‘Ich habe einen Löwen damit spielen sehen. Er griff mich an, ich tötete ihn und nahm den Stein. Ich wusste nicht, dass …’

Krishna lachte: ‘Mache dir keinen Vorwurf … hättest du es nicht genommen hätten wir uns nicht getroffen!’

Krishna verabschiedete Sich von Jambavan, der Ihm zum Abschied seine Tochter, Jambavati, zu Frau schenkte.

Dann eilte Krishna zu Satrajit, der nun äußerst beschämt war. Er hatte Krishna beschuldigt und verleumdet.

Satrajits Tochter, Satyabhama, sprach: ‘Du hast Krishna das Syamantaka Juwel nicht gegeben, doch du kannst ihm etwas weit Wertvolleres schenken.’

Satrajit schaute verwirrt … dann verstand er.

Satyabhama war im heiratsfähigen Alter. Alle Freier hatte sie bisher abgelehnt. Doch nun … Satrajit nickte.

Am nächsten Tag suchte er Krishna auf und sprach: ‘Krishna! Es tut mir leid was geschah. Und es kann auch nicht rückgängig gemacht werden … doch ich habe etwas Wertvolleres als das Juwel. Ich biete die die Hand meiner Tochter an!’

Krishna heiratete Satyabhama, an dem Juwel hatte Er kein Interesse mehr.

* * *

Krishna und Balarama hatten Dwaraka verlassen. Dies nahm Akrura als Gelegenheit, Shatadhanva aufzusuchen: ‚Lass uns das Syamantaka Juwel stehlen. Satrajit hat dir seine Tochter versprochen, nun gab er sie Krishna. Satrajit soll seinem Bruder folgen.‘

Shatadhanva brach bei Satrajit ein, tötete ihn und nahm das Juwel an sich.

Krishna ließ verlauten, dass Er Shatadhanva töten werde. Dieser suchte Hilfe bei Kritavarma und Akrura.

Beide weigerten sich gegen Krishna zu agieren oder gar gegen Ihn zu kämpfen.

Shatadhanva bat Akrura, auf das Juwel aufzupassen und floh auf einem Pferd.

Krishna und Balarama bestiegen ihre Wagen und jagten den Mörder von Krishnas Schwiegervater. Krishna enthauptete ihn mit Seinem Diskus und suchte in seinen Gewändern nach dem Juwel. Er fand es nicht.

Zurück in Dwaraka führten Er und Satyabhama die Totenriten für Satrajit durch.

Als Akrura und Kritavarma vom Tod Shatadhanvas hörten flohen sie aus Dwaraka. Akrura ließ sich in Kashi nieder.

Krishna suchte Akrura auf und erhielt das Juwel zurück. Als Er allen bewiesen hatte, dass Er kein Dieb war gab Er es Akrura zurück und bat ihn, nach Dwaraka zurückzukommen.

* * *

Dazu, wie Krishna in solch eine Situation geraten konnte gibt es eine Verbindung zu Ganesha, den Sohn Shivas. Ganesha hatte einst Streit mit dem Mond. Er verfügte, dass wer an Seinem Geburtstag, Ganesha Chaturthi, den Mond anschaut, in Schwierigkeiten kommen würde. Den Mythos finden Sie auf meiner Shiva Seite unter ‘Mythen > Ganesha’.

Als Krishna den Weisen Narada befragte, warum Er so etwas Schlimmes erfahren musste erklärte dieser Ihm, dass Er einst, an Ganesha Chaturti, beim Melken war und der Mond sich in der Milch spiegelte. Er sah also an Ganesha Chaturti den Mond und bekam deshalb diese Schwierigkeiten.

 

Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung von S. A. Krishnan