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Uttanka

Der Kurukshetra Krieg war zu Ende, Krishna war auf dem Weg nach Hause. Er übernachtete in einer Wüstenlandschaft unter einem Baum. Da traf Er den Weisen Uttanka, einen Anhänger Seiner, der meist in Meditation auf Ihn versunken war. Auch Uttanka sah Krishna, eilte zu Ihm und fiel Ihm zu Füßen. Krishna umarmte ihn und fragte: ‘Mein Freund, was machst du hier?’

Uttanka antwortete: ‘Ich meditiere auf Dich. Ich tu’ nichts anderes. Doch was machst Du hier?’

‘Ein großer Krieg ist zu Ende gegangen, Ich gehe nach Hause, es gibt nichts mehr zu tun.’

Uttanka fragte ungläubig: ‘Ein Krieg? Und Du, Krishna, konntest ihn nicht verhindern? Du hast ihn zugelassen?’

Krishna nickte: ‚Der Krieg war unumgänglich.‘

‚Du sagst im Ernst, ein Krieg ist eine Notwendigkeit? All das Leid? Das Blutvergießen?‘

Uttanka steigerte sich in einen Zorn hinein. Er nahm sein Wassergefäß, tauchte seine Finger hinein und sprach: ‚Wenn das wahr ist, dann verfluche ich Dich.‘

‚Ich habe alles getan was zu tun war. Ich habe Duryodhana gebeten, mit den Pandavas Frieden zu schließen. Ich habe angeboten, wenn er schon sein Reich nicht teilen wolle, so möge er doch wenigstens fünf Dörfer den Pandavas überlassen, eines für jeden der Brüder. Duryodhana war nicht bereit dazu. Er sagte, er wolle kämpfen, es war sein Krieg.‘

Uttanka hatte Tränen in den Augen. Er entschuldigte sich, dass er an Krishna gezweifelt hatte.

Als Krishna am nächsten Morgen weiterziehen wollte sprach Er zu Uttanka: ‚Als du Mich gestern verfluchen wolltest hast du das Wasser in deinem Wassergefäß energetisiert. Es war umsonst. Du hast deine Kraft vertan. Ich möchte das wieder gut machen und gewähre dir eine Gunst.‘

Uttanka schüttelte den Kopf: ‚Ich brauche nichts, ich bin ein Asket. Ich bin Dir hingegeben, überall wo ich bin bist Du. Was sollte ich wünschen?‘

Krishna lächelte: ‚Bitte Uttanka, Ich bestehe darauf. Wünsche dir etwas.

Uttanka schaute auf den Platz, wo er das Wasser auf den Boden tropfen ließ: ‚Ich möchte, dass, wo immer ich bin, mein Durst gelöscht wird.‘

Krishna segnete Uttanka und setzte Seine Reise nach Dwaraka fort.

Es kam der Tag, Uttanka meditierte in der Wüste, er wurde durstig, sah kein Wasser weit und breit, er schloss die Augen und dachte an Krishna.

Als er die Augen wieder öffnete stand ein zerlumpter Jäger mit seinen verwahrlosten Hunden vor ihm, der ihm Wasser anbot. Uttanka rümpfte die Nase. Der Geruch dieses Menschen war unerträglich, das Wasser war sicher untrinkbar: ‚Ich möchte nichts. Bitte geh‘ weg.‘

‚Aber du siehst durstig aus, das Wasser ist frisch, eben von dem Fluss an meinem Haus abgefüllt.‘

Uttanka wurde ungehalten, als auch noch die Hunde an ihm schnüffelten: ‚Ich habe gesagt du sollst gehen!‘

Der Jäger ließ nicht locker: ‚Du wirst hier kein Wasser finden. Schau dir die Gegen an, alles Wüste. Also nimm es.‘

‚Lieber habe ich Durst, als dass ich Wasser von einem ungepflegten Menschen wie dir annehmen würde.‘

Der Jäger ging. Uttanka war verärgert auf Krishna. Er hatte Sein Versprechen nicht gehalten. Da stand mit einem traurigen Lächeln Krishna vor ihm.

Zornig schaute Uttanka Ihn an: ‚Ist das Deine Vorstellung von einem Versprechen? Mein Durst hat mich fast umgebracht. Und wo war das Wasser, das Du mir einst versprochen hattest?‘

Krishna schwieg. Als Uttanka sich beruhigt hatte sprach Er: ‚Du hast recht, Uttanka, Ich habe dir kein Wasser gegeben, Ich wollte dir Amrita, den Nektar der Unsterblichkeit geben. Ich habe Indra darum gebeten, für dich.‘

Uttanka schaute beschämt zu Boden.

‚Indra war einverstanden, doch unter einer Bedingung. Nur der sollte den Nektar erhalten, der ihn wahrlich verdiene. Indra wollte dich vorher prüfen und ihn dir dann geben.‘

Krishna zeigte in Richtung des Jägers: ‚Das war Indra, Er hatte Amrita in Seinem Gefäß. Trotz all deiner Meditation und Gebete siehst du das Göttliche noch nicht in allen Wesen. Du hast noch viel zu lernen.‘

Krishna gab Uttanka Wasser und entschwand.

 

 

Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung von S. A. Krishnan