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Kapitel 13 bis 15

Hamsa beantwortet die Fragen von Brahmas Sohn

Krishna sprach:

‚Die drei Gunas heißen Sattva, Rajas, Tamas (Klarheit, Leidenschaft, Trägheit/Dunkelheit). Durch Sattva können Rajas und Tamas transzendiert werden.

Das in Sattva enthaltene Klare setzt sich durch, indem sich Hingabe zu Mir festigt. Der Einfluss von Rajas und Tamas nimmt ab.

Die großen Weisen preisen Sattva, verurteilen Tamas und stehen Rajas neutral gegenüber. Deshalb gilt es, Sattva zu kultivieren.‘

Uddhava sprach:

‚Lieber Krishna, der Mensch weiß, dass ein auf Materie ausgerichtetes Leben leidvoll ist. Warum lässt er dennoch nicht davon ab?‘

Krishna sprach:

‚Mein lieber Uddhava, der Mensch identifiziert sich fälschlicherweise mit seinem Körper, diese eingeengte Sichtweise überträgt sich auf die Sinne, was zu Anhaften an Materie und Leidenschaften und ins Leid führt. Der begabte Mensch bringt deshalb seine Sinne unter Kontrolle, um Rajas und Tamas zu befrieden.

Der begabte Mensch ist auf der Hut, er führt seinen Geist weg von Objekten und richte ihn stets auf Mich, damit er in Mir seine Ruhe findet.

Die geistgeborenen Söhne Brahmas, angeführt durch Sanaka Kumara, baten ihren Vater einst, sie den Yoga zu lehren. Doch Brahma war vollkommen in seine Aufgabe der Schöpfung versunken, so dass er nicht in der Lage war, ihre Frage zu beantworten.

Brahma richtete seinen Geist auf Mich, den höchsten Herrn. Ich erschien ihm in Meiner Gestalt als Hamsa.

Angeführt von Brahma kamen seine Söhne auf Mich zu, verehrten Meine Lotusfüße und fragten: ‚Wer bist Du?‘

Nun höre was Ich sie lehrte.

Wenn ihr Mich fragt wer ich sei, dann geht ihr davon aus, dass auch Ich eine verkörperte Seele bin und zwischen uns kein essentieller Unterschied besteht, denn alle Seelen sind im Ursprung frei von Individualität. Was also soll diese Frage?

Sollte sich eure Frage ‚wer bist du?‘ auf den physischen Körper beziehen, dann muss Ich euch sagen, dass sich alle Körper aus fünf Elementen zusammensetzen, nämlich Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Deshalb ist die Frage zu stellen: ‚Wer bist du Fünf?‘. Wenn ihr voraussetzt, dass alle physischen Körper ursprünglich einer waren, zusammengesetzt aus ein und denselben Elementen, dann ist eure Frage immer noch sinnlos. Denn wie sollte man den einen Körper vom anderen unterscheiden? Eure Frage nach meiner Identität ist demnach ohne jeden Nutzen.

Alles was in dieser Welt durch die Sinne wahrgenommen werden kann bin Ich und es gibt nichts neben Mir. Dies müsst ihr zu allererst verstehen.

Der Geist hat die natürliche Neigung in die Sinnesobjekte einzugehen und die Sinnesobjekte gehen in den Geist ein. Geist und Sinnesobjekte überdecken die Seele, die Ich bin.

Wer verstanden hat, dass er nicht verschieden von Mir ist, der hat die Verzahnung von Geist und Sinnesobjekten erkannt und dass die Sinnesobjekte eine Projektion des Geistes sind. Meine transzendente Natur erkannt habend gibt er beides auf, Geist und Sinnesobjekte.

Wachen, Schlaf und Tiefschlaf sind drei Bewusstseinszustände. Die Seele im Körper ist von diesen drei Zuständen unberührt. Sie ist Zeuge allein. Ich bin jenseits der drei Bewusstseinszustände, Ich bin der vierte.

Wer andere Lebensziele sich setzt, als Mich in allem und alles in Mir zu sehen, der träumt auch im Wachen. Er träumt nur, er sei erwacht.

Die Erscheinungswelt ist flüchtig, heute bei dir, morgen weg. Sie kann mit der roten Linie gleichgesetzt werden, die entsteht, wenn man ein Feuerholz herumwirbelt.

Wenn man diese Illusion durchschaut und die Sinne unter Kontrolle gebracht hat, dann werden alle materiellen Wünsche nichtig. Stetiges gewahr sein der Illusion bis zum Tod verhindert eine neue Geburt in die Illusion der Erscheinungswelt.

Der Körper muss in der Erscheinungswelt verbleiben so wie es sein Karma für ihn bestimmt hat. Doch die Seele, die erwacht ist, das Absolute erkannt hat, wird niemals mehr in einen Körper eingehen.

Nun habe ich euch (den Söhnen Brahmas) das Wissen der Sankhya Philosophie erläutert, das euch befähigt, Mich, den höchsten Herrn zu erkennen. Verehrt Mich allein und sucht Zuflucht bei Mir allein.

Mein lieber Uddhava, durch diese Meine Worte wurden alle Zweifel Sanaka Kumaras und seiner Brüder beseitigt. In Hingabe Mich verehrend, sangen sie zum Lobpreis Meiner. Ich zog mich zurück in Mein Reich.‘

Krishna erklärt Uddhava den Yoga

Uddhava sprach:

‚Mein lieber Krishna, die Weisen schlagen die verschiedensten Wege vor, um das Leben zu vervollkommnen. Sind diese Wege alle gleichbedeutend oder ist einer der erhabenste?‘

Krishna sprach:

‚Mit der Auflösung des Universums, geht das Vedische Wissen verloren. Deshalb sprach Ich es zu Beginn der Schöpfung wieder zu Brahma.

Brahma gab das Wissen an seinen ältesten Sohn, Manu, weiter und dieser an die sieben Rishis, angeführt durch Bhrigu.

Manu, der Stammvater der Menschheit, gab es weiter an all die verschiedenen Wesen dieser Schöpfung und ein jedes Wesen, ganz seinem Charakter entsprechend, ersann unzählige Riten.

Der menschliche Geist entwickelte Philosophien, die an Traditionen gebunden sind, theistische und atheistische.

Der Mensch ist durch Meine Illusion der Täuschung ausgesetzt. So verkündet er unzählige Wege die zum Glück führen, wie Riten, Opfer, Askese, Barmherzigkeit, Entsagung, Gelübde, Wohlstand, Ruhm, Besitz, politischer Einfluss – jeder Weg hat seinen Verkünder.

Die Früchte dieser Wege sind vorübergehend, sie führen zu Unzufriedenheit, weil sie auf Unwissenheit basieren. Schon während die Menschen diese Früchte genießen leiden sie.

Die ihren Geist auf Mich richten, ihre Sinne unter Kontrolle und die materiellen Wünsche aufgegeben haben, die erfahren ewige Glückseligkeit. Sie ersehnen weder das Reich Brahmas, noch das Indras, noch ein Reich auf Erden. Sie sehnen sich nach Mir allein.

Mein lieber Uddhava, weder Brahma, Shiva, Balarama oder Lakshmi sind Mir näher als du.

Geselle dich zu Meinen Bhaktas, die frei von Egozentrik sind, stets über meine Taten hören, die stets ausgeglichen und frei von Feindschaft sind.

Wenn Mein Bhakta seine Sinne noch nicht unter Kontrolle hat mag er von materiellen Wünschen getrieben sein, doch aufgrund seiner Hingabe zu Mir, wird er von den Sinnesfreuden nicht übermannt.

Wie die Flamme das Holz zu Asche verbrennt, so verbrennt Hingabe die störenden Neigungen.

Bedingungslose Hingabe bringt Mich unter die Kontrolle Meiner Bhaktas. Dies kann nicht gelingen durch Yoga, Sankhya Philosophie, fromme Werke, Studium der Veden oder Askese.

Nur wer sich Mir bedingungslos hingibt gelangt zu Mir, dem höchsten Herrn. Die lieben Mich, die sich Mich zum einzigen Ziel ihres Lebens gemacht haben.

Religiöse Praktiken, mögen sie noch so aufrichtig vollzogen werden, und Askese können den Geist nicht läutern, wenn dieser nicht auf Mich gerichtet ist.

Wie kann das Herz schmelzen ohne Gänsehaut? Wie können Tränen der Ekstase fließen, wenn das Herz nicht schmilzt? Wie kann man vor Freude singen, ohne dem Herrn dabei zu dienen? Wie soll der Geist geläutert werden, ohne solchen Dienst?

Der Bhakta, dem die Stimme versagt, der vor Ekstase lacht und weint, der tanzt wenn er an Mich denkt, der läutert das gesamte Universum.

Gold wird im Feuer gereinigt, die Seele wird durch Hingabe an Mich gereinigt.

Eine Wunde wird durch ein Desinfektionsmittel gereinigt, die Seele durch das Hören über Meine Herrlichkeit.

Den auf Objekte gerichteten Geist zieht es zur Materie hin, den auf Mich gerichteten Geist zieht es zu Mir hin.

Deshalb ziehe deinen Geist von der Materie zurück und richte ihn auf Mich. So wirst du geläutert werden.

Dir des ewigen Selbstes bewusst geworden gibt das Zusammensein mit Frauen auf und mit allen, die sich zu Frauen hingezogen fühlen. Ziehe dich in die Einsamkeit zurück und konzentriere dich auf Mich.

Keine Fessel ist stärker als die Bindung an eine Frau. Kein Leid ist stärker als das, das aus dem Hingezogen sein zu einer Frau entsteht.‘

Uddhava sprach:

‚Oh Lotusäugiger, wie meditiere ich auf Dich, wenn ich nach Befreiung mich sehne und auf welche Deiner unzähligen Formen meditiere ich? Bitte sprich über das Thema Meditation.‘

Krishna sprach:

‚Wähle einen Sitz, der nicht zu hoch und nicht zu nieder ist. Halte den Körper gerade, lege die Hände auf deinem Schoß ineinander und richte deine Augen auf die Nasenspitze. Atme ein, halte den Atem kurz an und atme aus (Puraka, Kumbhaka, Recaka) dann kehre den Prozess um, atme aus, halte den Atem kurz an und atme ein (Recaka, Kumbhaka, Puraka). (Hier handelt es sich um die Beschreibung von Atemkontrolle, Pranayama.)

Sieh Meine feine heitere Form mit den schönen langen Armen, dem gut geformten Nacken, der feinen Stirn, dem reinen Lächeln, den zarten, mit Ohrringen geschmückten Ohren. Sie ist dunkel, gehüllt in gelbe Seide mit einer Blütengirlande um den Hals. Die Brust ziert die Shrivatsa Locke. In Händen hält sie Muschel, Diskus, Keule, Lotus. Die zarten Lotusfüße tragen Fußringe und Fußglöckchen. Das Kaustubha Juwel ziert die Stirn, eine strahlende Krone den Kopf. Die Hüften sind mit einem goldenen Gürtel gegürtet, die Arme zieren wertvolle Armreifen. Alle Glieder dieser herrlichen Form und das gnadenvolle Antlitz bezaubern das Herz. Ziehe die Sinne zurück von den Sinnesobjekten und versenke dich auf diesen Meinen transzendenten Körper. (Hier wird die übliche bildliche Darstellung Vishnus/Krishnas beschrieben.)

Dann ziehe den Geist wieder weg von dem transzendenten Körper und meditiere auf Mein Antlitz. Und zuletzt ziehe auch den Geist von Meinem Antlitz zurück und meditiere auf den Himmel. Dann gibt auch dies auf sieh Mich in deinem Herzen weilend und dein Herz in Mir. Lasse die verkörperte Seele eins werden mit der höchsten Seele, mit Mir. Gleich den Strahlen, die eins mit der Sonne sind.

Für den Yogi, der durch Meditation seinen Geist unter Kontrolle bringt, erlöscht die Illusion der Erscheinungswelt innerhalb kurzer Zeit.‘

Krishna beschreibt die Mystik des Yogas

Krishna sprach:

‚Mein lieber Uddhava, die mystische Perfektion des Yogas erreicht der Yogi, der seine Sinne und den Atem unter Kontrolle hat, dessen Geist zur Ruhe gekommen und auf Mich gerichtet ist.‘

Uddhava sprach:

‚Oh Herr, bitte sprich zu mir über die Perfektion der Mystik des Yogas.‘

Krishna sprach:

‚Die Meister des Yogas haben achtzehn Arten der Mystik entwickelt, acht primäre, zehn sekundäre. Höre über die primären.

Anima lässt den Yogi kleiner werden als das Kleinste; Mahima lässt ihn größer werden als das Größte; Laghima lässt ihn leichter werden als das Leichteste; Garima lässt ihn schwerer werden als das Schwerste; Prapti lässt ihn jeden Körper annehmen; Prakamya lässt ihn alle Welten durchdringen. Isatva lässt ihn frei von den drei Gunas sein. Vasitva lässt ihn allgegenwärtig sein.

Nun höre über die sekundären.

Sich befreien können von allen körperlichen Störungen, wie Hunger und Durst; alles hören und sehen können; den Körper so schnell bewegen können wie den Geist; in den Körper anderer eingehen können; sterben können wann immer man es wünscht; die Spiele der Götter mit den himmlischen Nymphen beobachten können; seinen Daseinsgrund erfüllen; Vergangenheit und Zukunft kennen; Ertragen von extremer Hitze und Kälte; die Gedanken anderer lesen können.

Wer seinen Geist einzig auf Mich richtet und sein Ego überwindet, der erlangt diese mystischen Perfektionen, die ihn befähigen, den Geist anderer zu erheben.

Der Yogi meditiere über die Gestalt, die er anzunehmen wünscht und sie erscheint sofort.

Sofern er in einen anderen Körper eingehen möchte meditiere er über sich in diesem Körper, gebe den seinen auf und gehe in den anderen ein.

Der Yogi, der an der Freude der Götter in den himmlischen Gärten teilhaben möchte, der meditiere auf die reine Tugendhaftigkeit die in Mir weilt, und er wird von den Nymphen abgeholt werden.

Der Yogi, der durch Hingabe zu Mir sich geläutert hat, der erhält das Wissen über Vergangenheit und Zukunft und weiß somit über Geburt und Tod von sich und anderen.

Der Körper dieses Yogis kann nicht durch Feuer, Wasser oder Gift vernichtet werden.

Welche Mystik könnte für den Yogi schwer zu erreichen sein, der Sinne, Atem und Geist unter Kontrolle und seinen Geist auf Mich gerichtet hat?

Alle mystischen Kräfte, die durch hohe Geburt, Kräuter, Askese und Mantras erlangt werden können, können ebenso durch Hingabe an Mich erlangt werden.

Mein lieber Uddhava, Ich bin der Urgrund allen Seins. Ich bin der Herr aller Mystik des Yogas und der Herr der Lehrer der Veden.‘